Verfasst von: dieweltderalgen | 6. Januar 2014

Chlamydomonas reinhardtii: Alge des Jahres 2014. Eine Grünalge, schwimmt schneller als jeder Mensch und sieht Licht!

Heute ist der 6. Januar 2014. Und heute gab die Sektion Phykologie (Algenkunde) der Deutschen Botanischen Gesellschaft den Namen der Alge des Jahres bekannt: Es ist – Chlamydomonas reinhardtii. (http://www.dbg-phykologie.de/pages/22PressemitteilungAlgeJahr2014.html#Anchor–Bild-48065)
Die Art wurde 1888 erstmals von Dangeard beschrieben und nach Ludwig Reinhard(t) benannt, einem ukrainischen Botaniker, der 1876 Sex bei einer Chlamydomonas Art beschrieb, die er damals noch als C. pulvisculus bezeichnete. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich hierbei um eine neue Art handelte, nun als C. reinhardtii beschrieben. Die „Paarungstypen“ (mating types = mt) heißen hier übrigens (mt+) und (mt-).

575px-Cross_section_of_a_Chlamydomonas_reinhardtii_algae_cell,_a_3D_representationAufbau einer Chlamydomonas-Zelle (Skizze); Quelle: Wikipedia, Autor: Ninghui Shi, „Cross section of a Chlamydomonas reinhardtii algae cell, a 3D representation“

Chlamydomonas gehört zu den Grünalgen. Innerhalb der Gattung wurden mehr als 500 Arten beschrieben. Die zwei Bekanntesten sind wohl Chlamydomonas nivalis und eben C. reinhardtii.

C. nivalis ist für ein Phänomen verantwortlich, welches wir als „Blutschnee“ kennen, das rötliche Verfärben von Schnee in Hochgebirgen oder in Polargebieten und wird uns noch an anderer Stelle beschäftigen.

C. reinhardtii wird gern als sogenannter Modellorganismus in der Biologie untersucht. Alle drei Genome (Zellkern, Mitochondrium, Chloroplast) dieser Pflanze sind seit 2007 bekannt und können gezielt manipuliert werden. Zudem ist die eukaryotische Alge einfach, kostengünstig und schnell zu vermehren. Dies sind alles Gründe, die sie in den Fokus der Forschung rücken lassen. In der Natur findet man die Alge weltweit in Süßwasser und im Boden. Die Grünalge ist bis zu 10 Mikrometer groß, kann sich mit ihren zwei Geißeln schwimmend fortbewegen und kann Licht mit Hilfe eines Augenflecks wahrnehmen. Dabei kann die kleine Pflanze nicht nur Hell und Dunkel sondern auch verschiedene Wellenlängen (Farben) erkennen. Dies ermöglicht ihr, sich aktiv dahin zu bewegen, wo sich die Alge „am wohlsten“ fühlt. Dabei schwimmt sie schneller (bezogen auf ihre Körpergröße) als der aktuell schnellste Brustschwimmer der Welt, Cameron van der Burgh!

Unter bestimmten Bedingungen kann die Alge mit Hilfe ihres Enzyms Hydrogenase reinen Wasserstoff produzieren. Der Stoffwechselweg zur Herstellung von Wasserstoff wurde von dem deutschen Forscher Hans Gaffron 1939 entdeckt. Heute wird daran geforscht, ob man diese Alge zur Herstellung von Biotreibstoffen nutzen könnte.

Andere Forscher untersuchen die Genetik und Physiologie des Sehvorgangs, die Photosynthese, die Geißelbewegung (ähnlich der der menschlichen Spermien), die Herstellung von Antikörpern und potentiellen Impfstoffen und vieles mehr…

Quellen:

http://www.chlamy.org

http://www.dbg-phykologie.de/pages/22PressemitteilungAlgeJahr2014.html#Anchor–Bild-48065

www.wikipedia.org

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Lichtmikroskopische Aufnahme einer Chlamydomonas-Zelle. Der Augenfleck (orange (Pfeil)) und die zwei Geißeln sind deutlich zu erkennen. Foto: © Thomas Nolte und Maria Mittag, Universität Jena

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