Verfasst von: dieweltderalgen | 19. März 2014

Update: Das Zusammenleben von Alge und Faultier (und Motte)… – eine Symbiose?

Faultier

Bild: Braunkehl -Faultier (Bradypus variegatus), Gatunsee, Republik Panama; http://de.wikipedia.org/wiki/Faultiere; Stefan Laube (tauchgurke); 15. Oktober 2003; This work has been released into the public domain by its author, tauchgurke. This applies worldwide.

Wissenschaft „schafft“ Wissen und kann das Verständnis und die Sicht auf die Dinge ändern. So ist es Anfang des Jahres geschehen. Und deshalb muss ich den unten stehenden Artikel (5.8.2013) um ein Kapitel erweitern, damit er (wieder) aktuell ist. Es gibt Neues aus der Paarbeziehung Faultier-Alge! Es ist nämlich, im Falle des Dreifinger-Faultieres, sogar eine Dreiecksbeziehung! Skandal? Nein. Das zeigt eher, wie fein austariert die Beziehungen zwischen ganz unterschiedlichen Organismen in der Natur sein können und wie wenig wir eigentlich noch darüber wissen.

Faultiere ernähren sich in der Hauptsache von Blättern (Folivorie). Diese sind recht arm an Energie, was bei der Größe der Faultiere schon zum Problem werden könnte. Sie haben nämlich noch dazu das langsamste Verdauungssystem unter den Säugetieren. Und irgendwie müssen auch diese Tiere ihren Energiebedarf decken, auch wenn sie sich nur wenig und gaaaaaaanz laaaaaaangsam bewegen. Bei der Lösung des „Problems“ gibt es ganz unterschiedliche Ansätze, vergleicht man das  Zweifinger- mit dem Dreifinger-Faultier…

Eine Forschergruppe um Jonathan N. Pauli hat beobachtet, dass das Dreifinger-Faultier einmal pro Woche vom Baum herabsteigt, um am Boden seinen Kot abzusetzen! Das Zweifinger-Faultier  tut das nicht. Warum setzt sich nun das Eine dieser Strapaze und diesem Risiko entdeckt und gefressen zu werden aus und das andere nicht?

Die Antwort ist: In den Faultierkot legen Motten, die wiederum im Fell der Faultiere leben, ihre Eier ab. Die Larven entwickeln sich und die „fertigen“ Motten wiederum fliegen zurück ins Fell der Faultiere. (Im Fell des Dreifinger-Faultieres finden sich signifikant mehr Motten als im Fell des Zweifinger-Faultieres). Und was machen die Motten im Fell? Die koten und sterben und liefern damit wichtige Nährstoffe für die Algen, die ihrerseits im Fell des Faultieres leben. Mehr Motten bedeuten: – mehr Stickstoff – und das ist die Grundlage für mehr Algen im Fell! Die Forschergruppe hat außerdem entdeckt, dass die Faultiere die Algen aus ihrem Fell fressen. Die Nahrungsergänzung zur Blattdiät quasi. Das Dreizehen-Faultier betreibt also aktiv eine eigene Algenfarm in seinem Fell, um immer leichtverdauliche, fettreiche und damit energiereiche Nahrung parat zu haben. Dies ist übrigens auch ein schönes Beispiel für das symbiotische (mutualistische) Zusammenleben von drei Organismen…

Und das Zweifinger-Faultier? Es hat natürlich auch Motten und Algen im Fell, aber bei weitem nicht so viele. Es frisst aber zusätzlich zu den Blättern auch noch Früchte und Insekten! Problem gelöst!

Pauli J. N. et al.: A syndrome of mutualism reinforces the lifestyle of a sloth; published 22 January 2014; doi:10.1098/rspb.2013.3006; Proc. R. Soc. B;  7 March 2014 vol. 281 no. 177820133006; http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1778/20133006

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Das Zusammenleben von Alge und Faultier… – eine Symbiose? (5. August 2013)

“It’s not that easy being green.
Having to spend each day the color of the leaves.
When I think it could be nicer being red, or yellow or gold.
Or something much more colorful like that.”

…singt Kermit der Frosch aus der Sesamstraße.

Doch es kann natürlich auch von Vorteil sein, die Farbe der Blätter zu tragen! Zum Beispiel wenn man zwischen diesen schlechter gesehen werden will. Tarnung quasi- als Schutz vor Fressfeinden.

Faultier JU 2013
Faultier (Solltet ihr übrigens ein schöneres Bild von einem Faultier haben, dürft ihr mir dieses gern zuschicken. Es wird dann hier an dieser Stelle veröffentlicht! 🙂 )

Die meisten Faultiere (Vorkommen: Zentral- und Südamerika, 6 bekannte Arten) sind grün(lich), hängen bevorzugt in Bäumen und bewegen sich seeeeehr laaaaangsaaaaam. Ihr Fell ist nicht wirklich grün, es leben nur unzählige Organismen darin, vor allem Algen, die auch für die grüne Färbung verantwortlich sind. Schauen wir uns das Fell aus der Nähe an, finden wir hunderte von Käfern, Schaben, Rundwürmern, Pilzen, Bakterien und… – Algen. Unter den Algen finden sich welche, die so auch in der Umgebung vorkommen und welche, die es nur im Faultierpelz zu geben scheint. Es sind Vertreter der Blaualgen, Kieselalgen, Dinoflagellaten, Rotalgen und Grünalgen darunter! Ganz neue Arten wurden in diesem sehr speziellen Lebensraum “Fell” entdeckt, z.B. eine Rufusia (Rotalge), eine Oscillatoria (Blaualge) oder Trichophilus welckeri, eine Grünalge. Ihr Name bedeutet sogar die “Haarliebende” und sie kommt nur im Fell von Faultieren vor!

Aber ist das Zusammenleben von Alge und Faultier eine Symbiose, also ein Zusammenleben von Organismen zu beiderseitigem Nutzen? Manche sagen: Nein, das Faultier kann nur nicht verhindern, dass die Algen sich im Fell ansiedeln. Aber es gibt Untersuchungen, Hinweise und Spekulationen, die ein symbiotisches Zusammenleben wahrscheinlich machen…

Was hat die Alge nun von der “Partnerschaft”?

Die Alge findet im Fell Schutz und vor allem einen Lebensraum. Dieser ist durch die Körpertemperatur des Faultiers einigermaßen temperiert und die Haare des Faultiers haben die Eigenschaft, sich wie ein Schwamm mit Wasser vollsaugen zu können. Ein Algenparadies.

Und was hat das Faultier von der Alge?

Sehr populär ist die Annahme, dass das Faultier durch seine Grünfärbung im Blätterdach der Bäume schwerer für Fressfeinde auszumachen ist.
Es wird auch spekuliert, dass Nährstoffe, die die Alge bildet, wichtig für das Tier sein könnten. Diese sollen entweder direkt über die Haut aufgenommen werden können oder gelangen nach Berührung und Lecken an den Fingern oder durch Fressen der Algenbeläge ins Tier.
Es konnte zudem gezeigt werden, dass Algen bestimmte Exopolymere produzieren, Verbindungen die bestimmte Bakterien in ihrem Wachstum fördern sollen, die wiederum vorteilhaft für das Faultier sind.
Außerdem werden von den Algen mycosporinähnliche Aminosäuren gebildet, die als eine Art Sonnenschutz für das Faultier wirken.

Alle Indizien zusammengenommen, scheint es sich also tatsächlich um eine Symbiose zwischen Algen und Faultier zu handeln.

“And green can be big like an ocean, or important like a mountain…” (Kermit)

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Responses

  1. […] Und was Faultier mit Algen zu tun haben kannst Du hier lesen: Faultier & Alge […]


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