Verfasst von: dieweltderalgen | 14. September 2014

„Ein Glas Algenmilch bitte!“ – vom Potential der Algen als Nahrungsmittel

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Algen“milch“ mit Zimt frisch zubereitet. In Deutschland dürfen milchähnliche Getränke, wie Soja“milch“ oder Algen“milch“ nicht als „Milch“ bezeichnet werden, da sie nicht aus einem Euter kommen. Deshalb heißen diese Getränke meist „Drink“ oder ähnlich, hier z.B. „Algae Drink“.

 

Es war in den 50er Jahren als man sich die Frage stellte, wie man die zukünftig wachsende Weltbevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln (speziell Protein) versorgen könnte. Damals bevölkerten knapp 3 Milliarden Menschen die Erde… 1995: glatt verdoppelt! Und für das Jahr 2050 wird geschätzt, dass es 9 Milliarden Menschen sein werden. Die damalige Frage ist also aktueller denn je, denn die Größe der landwirtschaftlichen Nutzflächen bleibt in etwa gleich und das heißt, pro Kopf steht immer weniger Ackerland zur Verfügung. Das Problem verschärft sich noch durch steigende Versalzung, Kontamination und Erosion von Böden, die Ausbreitung von Wüsten, die Produktion von Ölpflanzen zur Herstellung von sogenannten Biokraftstoffen und den steigenden Fleischbedarf weltweit, der wiederum die intensive Nutzung großer Flächen zur Produktion von Futtermitteln nach sich zieht.

Und schon damals, vor 65 Jahren, hatte man einen Lösungsansatz parat. Algen! Algen wachsen bis zu 10 Mal schneller als Landpflanzen und Wasser bedeckt den überwiegenden (knapp 71%) Teil der Erdoberfläche. Es wird geschätzt, dass die Nutzung von „nur“ 2% dieser Fläche (etwa 4x die Größe Portugals) ausreichen könnte, 10 Mrd. Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen! Zum damaligen Zeitpunkt gab es faktisch nur Algennutzung in Gegenden, in denen sie natürlicherweise zur Verfügung standen. In Küstengegenden zum Beispiel wurden Makroalgen gesammelt, als Tierfutter oder Nahrungsmittel verwendet oder als Dünger auf die Felder gebracht. Mikroalgen, wie Spirulina, wurden in Seen (z.B. um den Tschadsee) geerntet, getrocknet und in Lebensmitteln weiter verarbeitet. Aber einen gezielten Anbau von Algen gab es nicht. Das sieht heute schon anders aus. Knapp 20 Millionen Tonnen (Makro-) Algen werden jährlich geerntet und verarbeitet. Größter Produzent ist China vor Indonesien und den Phillipinen. Die Makro-Algen werden zum Großteil weiterverarbeitet und tauchen vor allem als Alginate (E401-405), Agar-Agar (E406) und Carrageen (E407) in unserer Nahrung auf. Dabei fungieren sie als Verdickungs- und Geliermittel oder als Stabilisatoren. Schätzungen gehen davon aus, dass heute schon in mindestens 70% aller Lebensmittel „Algen“ stecken!

Mikroalgen stellen den weitaus kleineren Teil der genutzten Algen dar. Der Anbau ist aufwendiger und das macht sie vergleichsweise teuer. Mikroalgen werden weltweit in offenen Teichanlagen, in Photobioreaktoren oder Fermentern angebaut. Sie gelten als gute Quellen für mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Protein, Pigmente, Vitamine und Mineralstoffe. Im Lebensmittelbereich sind z.B. die Blaualge (Cyanobakterium) Spirulina und die Grünalge Chlorella interessant. Sie finden sich als natürliche Blau- bzw. Grünfarbstoffe in blauen „Schokolinsen“ und „Gummitieren“ oder in grünen Nudeln und Knusperbrot wieder. Mikroalgen werden auch als Quelle für Pigmente und mehrfach ungesättigte Fettsäuren angebaut. Ansonsten gibt es ein breites Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln in Form von Pulvern, Kapseln oder Presslingen auf dem Markt.

Doch wann gibt es nun das „grüne (Algen-)Steak“? Was ist mit Asimovs Prophezeiung, der vor 65 Jahren vorausgesagt hat, dass heute (2014) „effektive Mikroorganismen“ wie Hefen und Algen als Lebensmittel ein fester Bestandteil unserer Nahrung sein werden?

https://weltderalgen.wordpress.com/2014/01/13/486/

Und genau in diesem Jahr 2014 tut sich etwas, gibt es etwas Neues! Ein feines, goldgelbes Pulver ist auf dem Markt, ein völlig neuer „Rohstoff“. Eine Chlorella (ohne Chlorophyll – deshalb „goldgelb“), die in einem speziellen Fermentationsverfahren gewonnen wird. Fermentation ist eine etablierte Methode mit der diese Süßwasser-Mikroalge vergleichsweise günstig und vor allem in großen Mengen angebaut werden kann. Die Alge wird nach der Fermentation getrocknet, aufgemahlen und mit Tocopherol und Ascorbinsäure versetzt, um die wertvollen, nach dem Mahlprozess freiliegenden Fettsäuren vor Oxidation zu schützen. Und die pflanzlichen Fette sind ein interessanter Aspekt dieser Biomasse! Es sind nämlich immerhin ca. 50% (!) enthalten, die sich wie folgt zusammensetzen:

Gesättigte Fettsäuren: 19% (vor allem C16:0)

Einfach ungesättigte Fettsäuren: 67% (vor allem C18:1)

Mehrfach ungesättigte Fettsäuren: 14% (vor allem C18:2 (ω6) und C18:3 (ω3))

Das goldgelbe Pulver lässt sich leicht lösen und ergibt schon in dieser Anwendung eine wohlschmeckende Algen“milch“ (aktuell als „Algae Drink“ erhältlich), ganz ähnlich einer Soja- oder Hafermilch etc.. Dabei ist das Produkt vegan, cholesterinfrei, frei von trans-Fettsäuren, frei von bekannten Allergenen, GMO-frei und natürlich Gluten-frei. Je mehr von dem Pulver eingesetzt wird, desto cremiger wird die Flüssigkeit.

Aber es gibt auch andere hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten! Laut Herstellerangaben wirkt das Pulver z.B. in Backwaren auch „texturverändernd“, das heißt man kann in bestimmten Backwaren Eier und Butter durch das Algenmehl ersetzen und das „gleiche“ Produkt erhalten. In einer bestimmten Backware, „Brioche“, konnte zum Beispiel:

  • Butter und Ei komplett ersetzt werden (keine tierischen Rohstoffe mehr!), dadurch werden auch die potentiell allergenen Bestandteile reduziert
  • das Fettsäureprofil optimiert werden
  • der Kaloriengehalte reduziert werden (25% weniger)
  • der Fettgehalt reduziert werden (70%)

Und das ist wirklich der Knaller und aus meiner Sicht auch die Zukunft… – sorry, nun die Gegenwart. Denn auf der einen Seite werden die Herstellung und der Einsatz tierischer Lebensmittel zunehmend als problematisch gesehen und andererseits ist Übergewicht ein zunehmendes Problem unserer Population. Asimov hatte also Recht. Es ist zwar (noch) nicht das Algen-Steak…, aber willkommen an der „Algen-Bar“! Und willkommen in der Zukunft! Wir dürfen gespannt sein, was als Nächstes kommt…

Und ich? Ich probiere jetzt eine Steinpilz-Creme-Suppe mit Steinpilzen aus dem nahegelegenen Wald und dem Algenpulver als Grundlage für eine cremige Suppe. Mal sehen, ob es klappt?!

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Responses

  1. […] Have you tried the new Algae Drink already? (via Welt der […]

  2. war die Suppe lecker?

    • Und ob! 🙂 Ich habe ein bisschen mehr Algenpulver genommen, um die Suppe schön cremig zu kriegen (4 Esslöffel)… plus Sommersteinpilze und Braunkappen, Zwiebeln, Möhren, etwas Lauch und Gemüsebrühe.

      • kannst Du mir das Algenpulver als link mal schicken, ich habe es zu googeln probiert und nix gefunden … ich such nämlich noch dringends etwas, wegen Suppen und Soßen krcremiger zu bekommen … 🙂

      • Das ist einfach: pureraw.de. Du findest es unter „Algae Drink“ Und… – wenn Du ein tolles Rezept damit entwickelt hast, dann immer her damit! Grüße in die Ferne! 🙂

  3. … oh vielen Dank und ja klar, gerne 🙂

    liebe Grüsse
    aus Gosen in Brandenburg bei Berlin

    Karen


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