Verfasst von: dieweltderalgen | 17. Juli 2015

Schülerexpedition ins Reich der Algen: Kieselgur, das „Weiße Gold der Heide“

Altmarkzeitung 16072015

Bericht in der Altmarkzeitung vom 16. Juli 2015, Danke!

volksstimme korrigiert 23072015

Bericht in der Klötzer Volksstimme vom 23. Juli 2015, Danke!

Ab und an halte ich ja Vorträge an den umliegenden Schulen zum Thema  „Algen“…  Doch dieses Mal sollte die Theorie der Praxis weichen: Am Donnerstag, dem 9.7.2015 waren wir auf Algen-Expedition! Wir, das waren die Schüler der Klasse 8a des Jahn-Gymnasiums Salzwedel gemeinsam mit ihren Klassenlehrern Frau Rolletschek, die das Ganze organisiert hat, und Herrn Schulz und ich als eingeladener  Algenexperte. Unser Ziel war der älteste Kieselgurtagebau der Welt in Oberohe (Lüneburger Heide).

Um 8 Uhr startete am Bahnhof Salzwedel der Bus Richtung Ferienpark Heidesee in Oberohe. Auf dem Gelände des heutigen Ferienparks befand sich von 1884-1970 das Abbaugebiet für das „Weiße Gold der Heide“. Der malerische Heidesee selbst ist eine ehemalige Kieselgurgrube und die jetzige Funball-Halle ein originaler Brennschuppen aus der Zeit, in der der Bodenschatz Kieselgur dort abgebaut wurde. Ein Kieselgur-Lehrpfad mit etwas verblassten Informationstafeln führt um den See. Zu sehen gibt es zum Beispiel das ehemalige Verwaltungsgebäude des Kieselgurwerkes und Loren, die für den Transport der Kieselgur genutzt wurden. An der einen oder anderen Stelle konnte das „Weiße Gold“ noch zwischen Wurzeln und Gestrüpp entdeckt werden. Es sieht aus wie weißer Sand, ist aber etwas mehliger. Der Entdecker der Kieselgur dachte wohl es ist Mehl und hat der Sage nach erfolglos versucht, damit Pfannekuchen zu backen…

Doch was ist Kieselgur eigentlich? Bei der Kieselgur handelt es sich um ein Sedimentgestein aus abgelagerten Resten von Kieselalgen. Diese mikroskopisch kleinen Algen kommen im Süß- und Salzwasser vor und haben eine sehr stabile Zellhülle aus Siliziumdioxid, die aus zwei schalenförmigen Teilen besteht. Diese stecken wie die zwei Teile einer Hutschachtel zusammen. Deshalb wurden die Kieselalgen oder auch Diatomeen früher als „Schachtellinge“ bezeichnet. Stirbt die Alge ab, sinkt das Kieselalgenhülle zu Boden und kann mächtige Sedimente bilden.

Kieselgur wird vielseitig industriell genutzt. Es war die Basis für die Entwicklung des Dynamits, findet sich als Putzkörper in manchen Zahncremes, ist Bestandteil von Farbanstrichen, findet sich in den Zündkappen der Streichhölzer,wird als Filtermaterial für Wasser oder bei der Herstellung von Bier verwendet und vieles mehr.

Die Wissenschaft kennt heute rund 6.000 verschieden Kieselalgenarten. Man vermutet, dass es deutlich mehr gibt. Sie sind Hauptbestandteil des Phytoplanktons der Meere und zählen zu den wichtigsten Primärproduzenten in den Ozeanen. Das heißt, sie stehen am Anfang vieler Nahrungsketten. Außerdem wird geschätzt, dass sie heute bis zu 20% des Sauerstoffs in der Atmosphäre liefern!

Die interessierten Gymnasiasten haben im Laufe der Exkursion viel über die Biologie und die ökologische Bedeutung der Kieselalgen erfahren. Außerdem wurden Proben von Kieselgur aus dem Boden entnommen und mikroskopiert. Am Heidesee ergab sich auch die Möglichkeit, heute lebende Arten im Mikroskop zu beobachten. Diese fanden sich vor allem in den braunen Überzügen auf den Schilfstengeln im Wasser. Zudem wurde ein einfacher Wasserfilter auf Kieselgur/Sand-Basis gebaut, der auch ganz gut funktionierte. Der schöne und abwechslungsreiche Ausflug war gegen 15 Uhr zu Ende.

Es war die erste Exkursion dieser Art, soll aber auf jeden Fall wiederholt werden.

010609 0510 13 15 07 03

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: